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Herbstreise 2006

Knapp 40 ehemalige und aktive Feuerwehrler besammelten sich am 2. September morgens um 8.30 Uhr am Bahnhof Dietlikon. Wir waren gespannt, wussten wir doch noch nicht, wo uns die diesjährige Herbstreise hinführen wird. Zuerst ging es nach Zürich, wo wir in den Zug Richtung Schaffhausen umstiegen. Grosses “Oh!“, als wir kurz vor unserem Ziel am Rheinfall vorbeifuhren. In Schaffhausen angekommen bummelten wir zum Munot hoch (ursprünglich Unot = ohne Not), auf dessen Zinne wir mit Kaffee und Gipfeli begrüsst wurden. Wir haben es sehr geschätzt, hier verweilen zu dürfen, um die Aussicht, sowie die lang entbehrte Sonne zu geniessen. Um elf Uhr nahm uns dann der neue Munotwächter für einen 11/2stündigen Rundgang in Empfang. Er führte uns durch den wirklich eindrücklichen Bau, erzählte interessante geschichtliche Hintergründe und zeigte uns auch Gänge und Räume, welche dem “normalen“ Besucher sonst nicht zugänglich sind. Es lohnt sich wirklich, sich da mal führen zu lassen! Am Munot selber wurde 25 Jahre lang gebaut; trotzdem hat er seinem eigentlichen Zweck als Festung gar nie wirklich gedient. Einzig während der Zeit der Französischen Revolution wurde er belagert. Weil die Entwicklung der Waffen damals jedoch sehr schnell vor sich ging, galt er bei seiner Fertigstellung um 1585 schon wieder als “veraltet“. Übrigens: wer sich fragt, was denn das Zürcher Wappen auf der Turmspitze soll, dem sei gesagt: Es sollten die Farben Gelb und Schwarz sein (also die Schaffhauser-Farben), nur sind diese halt bereits ziemlich ausgebleicht...

Hungrig wurden wir anschliessend zum und ins Rheinschiff “Albatros“ gelotst. Während dieses gemütlich rheinaufwärts tuckerte, wurden wir mit feinem Rahmschnitzel-Menü und einem erfrischenden Dessert verwöhnt. Das Wetter war herrlich und der Rhein präsentierte sich in wunderschönem Grünton. Mit der Zeit wurde es aber doch recht warm im gedeckten Schiff, weshalb wir dieses dann in Stein am Rhein nach gut zweistündiger Fahrt ganz gerne wieder verlassen haben.

Ein kurzer Fussmarsch führte uns daraufhin ins Kloster St. Georgen. Dort teilten wir uns in zwei Gruppen auf und wurden erneut auf einen Rundgang mitgenommen. Ich persönlich fand es noch mutig, am selben Tag gleich zwei Führungen zu organisieren. Aber alle Personen, die uns in Empfang genommen haben, machten das so gut, dass beide Besichtigungen wirklich kurzweilig und interessant waren! Im Kloster wurde unserer Gruppe von Marion Preuss übernommen - richtig, der ehemaligen Radio- und Fernsehmoderatorin. Auf ihre spritzige Art hat sie uns durch die Räume geführt und uns von der bewegten Geschichte dieser ehemaligen Benediktinerabtei erzählt. Gegründet wurde sie zwischen 900 und 1000 n. Chr.; das Kloster stand mehrmals vor dem Aus und wurde dann während der Reformation sogar ganz aufgehoben. Während 300 Jahren seiner aktiven Zeit weiss man gerade mal von 40 Mönchen, die in seinen Mauern lebten, wobei die grösste schriftlich dokumentierte Gruppe aus 12 Mitgliedern bestand. Gerettet hat das Kloster letztlich Pfarrer Ferdinand Vetter, der dieses 1875 - nach vielem hin- und hergeschoben Werden und mehreren Besitzerwechseln - sehr günstig als sein Eigentum erwarb. Seit 1926 gehört es nun der Gottfried Keller-Stiftung. Leider wurden während dem Bildersturm um 1525 fast alle Schätze vernichtet, weshalb kaum mehr originale Kulturgüter vorhanden sind. Im Festsaal allerdings, der vom letzten Abt David von Winkelsheim errichtet wurde, befinden sich die wichtigsten noch existierenden Freskenmalereien nördlich der Alpen aus der Zeit um 1500. Dank Pflege und dem sorgfältigen Nachahmen des Originalzustandes in den alten Räumen gehört die Benediktinerabtei also trotzdem zu den noch am besten erhaltenen Klosteranlagen der Schweiz.

Text: Ursula Müller
xeiro ag
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